Denn sie wissen nicht, was sie tun?

Eine spannende Situation entsteht beim Coaching, wenn es einem Klienten ganz spielerisch gelingt, mir die Wirksamkeit der eigenen Werkzeuge vor Augen zu führen. Letzte Woche war es wieder soweit:

"Ich glaube, ich rauche aus Genuss - aber ganz sicher bin ich mir nicht!" Über die nächsten Wochen bat ich den Klienten, ein Protokoll über die täglich gerauchten Zigaretten zu erstellen: Wann und mit wem wurde geraucht? Wo? Im Auto? Auf dem Balkon? War auch ein Kaffee im Spiel oder ein Glas Wein? Wie hast du dich gefühlt? Gestresst? Gelangweilt? Einsam?

In einem nächsten Schritt wurde jeder Zigarette eine Zahl zwischen 1 und 10 zugewiesen.

 

"1 bedeutet, dass ich auf die Zigarette gut hätte verzichten können, bei 10 ist sie mir sehr sehr wichtig gewesen." Skalierungsfragen ermöglichen uns eine tiefere Reflektion unserer Muster und Handlungen, trotzdem handelt es sich um eine leicht zu greifende, eindrückliche Klassifizierung. Es war für den Klienten relativ einfach, die Zahlen zuzuweisen. Aus dem Protokoll ergeben sich dann interessante Einsichten in das Verhalten: Deine Zigaretten sind dir meist kaum eine 3 wert? Deine höchste Zahl ist 5? Musst du auf etwas warten (im Stau, abends in der Bar, vor dem Amt), erreichst du regelmäßig die höchsten Zahlen? Skalierung - besonders dass sie uns meist recht leicht fällt - führt uns auch vor Augen, dass die Lösung schon ganz nahe ist, dass wir implizit unsere Auslöser kennen. Und sie macht uns aufmerksam auf unsere "Bremser": "Wie wichtig ist es dir, mit dem Rauchen aufzuhören?" - "9,5." - "Und wie sicher bist du, dass du es schaffst?" - "7." - "Wie kann ich dich unterstützen, sodass es eine 7,5 wird?"