Die Menschen wollen nicht glücklich sein

Bei der Suche nach dem Begriff "Glück" liefert mir ein bekanntes Online-Versandhaus 32.200 Buch-Ergebnisse. Auf den ersten Plätzen die Ratgeberliteratur, da gibt es Geheimnisse des Glücks und Regeln des Glücks, es wird Glück gesucht (aber scheinbar selten gefunden?), Glück klopft an, aber keiner macht auf und manch einer scheint sogar Angst vor dem Glück zu haben. 100 Menschen auf der ganzen Welt geben Auskunft darüber, was sie glücklich macht und allerlei Tiere von der Milchkuh bis zur Schildkröte müssen mit oftmals buddhistisch angehauchten Geschichten Glück verbreiten. Sigmund Freud sagt schließlich: "Die Menschen wollen nicht glücklich sein." Und stimmt das?

Offensichtlich besteht bei dem Thema Informationsbedarf! Ich stelle mir die Frage, ob die verzweifelte Suche, das tiefe Eintauchen in diesen Wühltisch des Glücks wirklich glücklich macht und entscheide mich für einen Klassiker, nämlich die "Anleitung zum Unglücklichsein". Und stelle fest, das hätte ich mal früher lesen sollen. Danke, lieber Paul Watzlawick, dass du mich darin bestätigst, dass nur ein möglichst hoch gegriffenes, unerreichbares und diffuses Ziel wie die absolute und immerwährende Glückseligkeit ein Garant sein kann für professionelles und ernsthaft betriebenes Unglück! Nur Amateure gehen schließlich realistische Zwischenziele in kleinen Schritten an und feiern ihre Erfolge! Es kommt vor allen Dingen darauf an, selber aktiv an einer Verschlimmerung des ohnehin schon Schlechten mitzuwirken, so viel habe ich begriffen. Nach dem Verschlingen des kleinen Buches habe ich meine Top 3 der besten Tipps für das Unglücklichsein herausgearbeitet und hoffe, dass Sie auch davon profitieren können:

Jetzt dürfte in Sachen Unglücklichsein eigentlich nichts mehr schiefgehen! Und auch eine der vielen wunderbaren kleinen Geschichten aus dem Buch möchte ich hier weitergeben - wer erkennt sich darin auch wieder, so wie ich?

 

Eine alte Dame, die am Flussufer wohnt, beschwert sich bei der Polizei über die kleinen Jungen, die vor ihrem Haus nackt baden. Der Inspektor schickt einen seiner Leute hin, der den Bengeln aufträgt, nicht vor dem Haus, sondern weiter flussaufwärts zu schwimmen, wo keine Häuser mehr sind. Am nächsten Tag ruft die Dame erneut an: Die Jungen sind immer noch in Sichtweite. Der Polizist geht wieder hin und schickt sie noch weiter flussaufwärts. Tags darauf kommt die Entrüstete erneut zum Inspektor und beschwert sich: "Von meinem Dachbodenfenster aus kann ich sie mit dem Fernglas immer noch sehen!"


Paul Watzlawick (1983). Anleitung zum Unglücklichsein. Piper, München. Taschenbuchsonderausgabe.